Das AAL-Konzept hinter IDEAAL

Die demographische Entwicklung im Hintergrund

Die demographische Entwicklung unserer Gesellschaft stellt uns in der Zukunft vor neue Herausforderungen. So werden wir immer älter und der Anteil pflegebedürftiger Menschen (bei gleichzeitigem Trend zum Alleinleben) an der Gesamtbevölkerung nimmt kontinuierlich zu. Massive Kostensteigerungen und Kapazitätsengpässe im Gesundheitssystem wären bei Heimunterbringung oder stationärer Versorgung nicht zu vermeiden. Berücksichtigt man jedoch den Wunsch der Menschen, möglichst lange in ihrer eigenen, vertrauten Wohnumgebung zu leben und im Falle von gesundheitlichen Beeinträchtigungen auch dort versorgt  zu werden, so müssen (technische) Lösungen geschaffen werden, die die private Sicherheit in der häuslichen Umgebung gewährleisten, die Erhaltung der Gesundheit und Funktionsfähigkeit sowie die optimale Behandlung chronischer Krankheiten und die ambulante Pflege unterstützen und die soziale Isolation vermeiden.

Technologien für Ambient Assisted Living

Unter dem Begriff „Ambient Assisted Living" (AAL) werden heute Konzepte, Produkte und Dienstleistungen verstanden, die die Interaktion zwischen technischen und sozialen Systemen im Bezug auf diese Aspekte der häuslichen Versorgung und Unterstützung verbessern sollen. Die dabei verfolgten Ziele sind die Steigerung der Lebensqualität in allen Lebensabschnitten auch bei physischen und/oder mentalen Beeinträchtigungen sowie ein längeres und selbst bestimmtes Leben in der eigenen Wohnumgebung.

Grundsätzlich kann man die AAL-Technologien und –systeme in eine Reihe unterschiedlicher Funktionsklassen differenzieren:

  • Sicherheit,
  • Assistenz,
  • Kommunikation,
  • Komfort,
  • Gesundheit und
  • Unterhaltung.

Anforderungen an AAL

Dabei werden ganz unterschiedlichen Anforderungen an die AAL-Systeme gestellt. Funktionale Anforderungen werden durch eine Vielzahl von nicht-funktionalen Anforderungen ergänzt. Beispiele für funktionale Anforderungen sind:

  • Modularität der Einzeltechnologien,
  • bezahlbare Systeme,
  • kaum vorhandene, technologisch nutzbare Infrastruktur im häuslichen Umfeld oder
  • nachrüstbare Technologien 

Während Beispiele für nicht-funktionalen Anforderungen sind:

  • Einfache Nutzung und barrierefreier Zugang,
  • Unaufdringlichkeit und Design sowie
  • die Kontrollierbarkeit der Technologie 

Der Umfang der Ziele und Anforderungen an zukünftige AAL-Technologien zeigt, welche Herausforderungen die aktuellen Entwicklungen in diesem Umfeld erfüllen müssen, um praxisnahe Lösungen zu schaffen, bei denen nicht die Technik sondern viel mehr der Bewohner im Fokus der Entwicklung steht.

Interdisziplinarität

Ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Entwicklung von AAL-Lösungen besteht darin, den gesamten Prozess in hohem Maße interdisziplinär zu gestalten. Neben der reinen Informatik und den Ingenieurswissenschaften sind zwingend auch Fachdisziplinen, wie die Gerontologie und Geriatrie, die Pflege und Medizin, die Sozialwissenschaften und auch die Ökonomie in den Entwicklungsprozess einzubeziehen. Der Grund für den interdisziplinären Ansatz sind die zahlreichen Rahmenbedingungen, denen AAL-Lösungen entsprechen müssen. Dabei spielen technologische, finanzierungstechnische aber insbesondere auch Akzeptanzaspekte eine wichtige Rolle. Der  Zielmarkt umfasst dabei fast ausschließlich Bestandswohnungen, so dass Lösungen zwingend nachrüstbar und je nach individuellem Bedarf der Bewohner ausgestaltet sein müssen. Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz von technologischen Lösungen wird die Schaffung der Interoperabilität der verschiedenen Ansätze unter Verwendung von Standards sein. Im Kontext der Finanzierung werden neben der Zahlungsbereitschaft des Bewohners insbesondere die unterschiedlichen Versorgungsträger gefragt sein, denn die Verlagerung von Versorgungsleistungen aus dem stationären in den ambulanten bis hin in den häuslichen Bereich macht neue Versorgungs- und Abrechnungsmodelle notwendig. Schlussendlich funktionieren aber alle Lösungen nur, wenn sie durch die Menschen auch akzeptiert werden. Hierzu ist es notwendig, den Nutzen der Technik in den Vordergrund zu stellen, so dass der sich durch die Technik ergebende Vorteil für das eigene Leben klar erkennbar und die Technik anwenderfreundlich gestaltet ist.

Erwartungen der Anwender

Ein Blick auf die gegenwärtigen Erwartungen der Anwender an Lösungen für die heimische Umgebung zeigt, dass die Erhaltung der Gesundheit an erster Stelle steht. Als nächstes wird häufig der Wunsch nach möglichst langer Unabhängigkeit genannt.  In Bezug auf mögliche technische Lösungen gibt es dagegen bei einer deutlichen Mehrheit der Anwender Vorbehalte (z.B. Überforderung durch die Komplexität der Systeme). Trotzdem werden Lösungen gewünscht, die in Notsituationen helfen können (z. B. Herd-Sicherung). Der Bedarf an Systemen, die die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit oder sogar die Gesundheit (z. B. Tele-Monitoring) erhalten, ist dagegen aktuell nur in geringem Maße nachgefragt.